Kriminalgeschichte des Christentums Band 01 - Die Fruehzeit by Deschner Karlheinz

Kriminalgeschichte des Christentums Band 01 - Die Fruehzeit by Deschner Karlheinz

Author:Deschner, Karlheinz [Deschner, Karlheinz]
Language: deu
Format: epub
Published: 2013-10-03T16:00:00+00:00


Christliche Schauermärchen

Die Christen aber, die Prediger der Feindesliebe, der Lehre auch, alle Obrigkeit stamme von Gott, feierten den Tod des Kaisers mit öffentlichen Gastmählern, mit Tanzveranstaltungen in den Kirchen, den Märtyrerkapellen, den Theatern von Antiochien – einer Stadt, nach Ernest Renan, »von Gauklern, Scharlatanen, Schauspielern, Magiern, Thaumaturgen, Hexern, betrügerischen Priestern ...« Sie vernichteten alsbald Julians noch kurz vor seinem Tod hier geschaffene Streitschrift ›Gegen die Galiläer‹, drei Bücher, wider die noch über 50 Jahre später Kirchenlehrer Kyrill lang und breit zu Felde zog: »Pro sancta Christianorum religione adversus libros athei Juliani«, 30 Bücher, wovon nur die ersten zehn im griechischen Wortlaut erhalten sind, zehn weitere in griechischen und syrischen Fragmenten. Natürlich gab sich ein Bischof wie Kyrill (S. 25, 513 f), der Philosophie weitgehend ablehnte, vielleicht ihren Unterricht in Alexandrien sogar verbieten wollte, keinerlei Mühe, in Julians Gedanken einzudringen. Ging es ihm doch »nur darum, ihn mit Energie zu erledigen« (Jouassard). Die Christen vernichteten auch alle Bilder, die Julian zeigten, ebenso alle knappen Inschriften, die an seine Siege erinnerten. Jedes Mittel schien recht, ihn aus dem Gedächtnis der Menschen zu streichen.55

Zu Julians Lebzeiten hatten die gefeierten Kirchenlehrer geschwiegen, keinen offenen Widerstand gewagt. Gleich nach seinem Tod aber und lang danach noch fielen sie über ihn her. Und während ihm selbst Augustin, neben Perfidien freilich, zumindest »ungewöhnliche Begabungen« zugestand, behauptete Johannes Chrysostomos, daß »wir alle in Lebensgefahr schwebten«, ja, daß Julian Knaben schlachten und opfern ließ, was dieser Heilige doch mutatis mutandis auch von den Juden sagte (S. 134). Auch Gregor von Nazianz schleuderte dem Kaiser zwei wilde Reden nach ins Grab, grotesk verzerrte Karikaturen, in denen er den Toten als durch und durch schlecht, als Werkzeug des Teufels diffamierte, »ein Schwein, das sich im Schmutze wälzt«. »Alle Laster waren in ihm vereinigt, der Abfall Jerobeams, der Götzendienst Ahabs, die Härte Pharaos, die tempelschänderische Gesinnung des Nebukadnezar. Alle diese Laster waren zu einer einzigartigen Gottlosigkeit verbunden.«56

Der hl. Ephräm aber, dessen haßstrotzende Triumphtiraden man nun in der Kirche von Edessa sang, schmetterte eine ganze Schrift gegen »Julian den Apostaten«, »den heidnischen Kaiser«, für ihn »der Rasende«, »der Tyrann«, »der Frevler«, »Verfluchte«, »Götzenpriester«. »Sein Ehrgeiz lockte ihn zu dem todbringenden Speer«, dem »Speer der Gerechtigkeit«, der den von »Orakeln seiner Zauberer schwangeren Leib« aufriß, um ihn »in die Hölle« zu schicken. Und zerfetzt werden auch alle Anhänger des Heidentums: »Der Galiläer rädert die Herde des Zauberers und überliefert sie den Wölfen in der Wüste, aber die galiläische Herde erstarkt und erfüllt die Welt.« Kirchenlehrer Ephräm lügt sogar, Julian habe Nisibis den Persern ausgeliefert, »damit seine Schande eine fortdauernde sei ...«57

In Wirklichkeit hatte Jovian, Julians christlicher Nachfolger, die Festung Nisibis (Nusaybin) den Persern überlassen. Ebenso die Festung Singara (Sinjar), beide römische Schlüsselstellungen. Preis gab Jovian damals auch fünf Grenzprovinzen jenseits des Tigris, die Maximian und Diokletian 297 erobert hatten, und wagte, aus Scham über den Verrat an Nisibis, auf seinem Rückzug nicht in der Stadt zu nächtigen. Er schlug sein Lager vor ihren Toren auf und sah am nächsten Tag samt seiner Armee, wie ein hoher feindlicher Offizier Nisibis betrat und die persische Fahne über der Festung hißte.



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